Akademischer Alpenverein München


Wir sind ein seit 1892 bestehender Verein aus München mit großer Vergangenheit, welcher sich mittlerweile zu einem kleinen aber feinen Alpinclub entwickelt hat. Unsere Aufgabe ist die Förderung der Jugend und unseren Mitgliedern den Kontakt unter Gleichgesinnten zu ermöglichen. Vornehmliches Ziel sind also diverse Bergtouren alpiner Natur. Dazu gehören sowohl das Klettern, als auch diverse Ski- und Hochtouren. Zu diesem Zweck haben wir eine eigene Hütte unter den Südwänden der Scharnitz- und Schüsselkarspitze im Wettersteingebirge. Auch regelmäßige Treffen und Vorträge im Vereinsheim sowie gelegentliche Expeditionen gehören zum Repertoire.


Echte Bergsteiger

In der längst vergangenen, goldenen Zeit der Fiechtl Haken, da gab es sie noch, die echten Bergsteiger. Echte Bergsteiger kletterten auf wilde Berge, und die anderen taten es eben nicht.

Heute aber leben wir in einer Welt, in der kleine Jungs und Mädchen nach den ersten drei Monaten Klettern schon im achten Grad unterwegs sind. Jeder kann sich ein Topo über eine Tour besorgen, die früher nur von Mund zu Mund beschrieben wurde. Niemand weiß mehr, wie ein Haken beim Einschlagen klingt, dafür hört man die Akkubohrer schon von weitem. Keiner geht mehr einen schrofigen, vereisten Zustieg zu einer brüchigen Tausendmeter Wand, um nach drei Biwaks halbverhungert oben anzukommen.

Der beste Weg, einen der noch verbliebenen echten Bergsteiger zu erkennen, führt über seine Ausrüstung. Echte Bergsteiger verwenden keine Expreßschlingen, dafür aber noch die guten alten Salewa Hohlkarabiner. Echte Bergsteiger tragen eine alte löchrige Faserpelzjacke mit hohem Kragen oder mit Kapuze, damit sie im Notfall im Dülfersitz abseilen können. Ihre Hose stammt aus der Schulzeit, weil das neumodische Zeug unpraktisch und zu teuer ist. Zu ihrer Ausrüstung zählt stets ein Felshammer, den sie auch als Eispickel einsetzen können. Echte Bergsteiger markieren in ihrem "Pause" (Im extremen Fels) alle schon begangenen Touren. Echte Bergsteiger haben keine Mittenmarkierung am Seil. Sie wissen auch so, wann die Hälfte des Seiles durch die Abseilöse gezogen ist. Normalerweise seilen sie aber nicht ab, sondern klettern in Höchstgeschwindigkeit die vereiste Rinne auf der Rückseite des Berges wieder hinunter.

Ein echter Bergsteiger geht nicht den mit Bohrhaken vorgezeichneten Weg, sondern steigt die wacklige Variante neben der gerade im achten Grad kämpfenden Seilschaft durch, um schneller oben zu sein und sich nicht mit irgendwelchen lächerlichen zwei Metern Fels abzugeben. Echte Bergsteiger findet man z.B. am Piz Ciavazes oberhalb des Gamsbandes, weil ihnen unterhalb die Wege zu übervölkert sind. Modetouren gehen sie nur im Winter, während Sportkletterer in Südfrankreich gebräunt werden. Echte Bergsteiger gehen natürlich auch auf Expeditionen. Weil sie keine Lust haben, einen Himalaya-Riesen mit zehnmal Hochsteigen und Hochlageraufbauen zu erreichen, begeben sie sich schnellstmöglich ins oberste Lager, warten gutes Wetter ab und steigen über den Gipfel wieder nach unten. Erfrierungen sind dabei nur ein kleines Übel, die Mehrzahl der echten Bergsteiger weiß, daß man auch in Schuhgröße 34 sehr gut klettern kann.

Im allgemeinen findet man den echten Bergsteiger im Gebirge. Sollte er sich ausnahmsweise nicht dort aufhalten, so ist er mit etwas Glück doch noch zu erkennen: Der echte Bergsteiger erschrickt furchtbar, wenn irgendein Gegenstand vom Tisch fällt. Das ist für ihn so, als würde sein Material vom Standplatz hinunterfallen. Er mustert laufend Kirchen und andere hohe Bauwerke, um eine geeignete Aufstiegsroute zu entdecken. Im Sportgeschäft erklärt er dem Verkäufer, daß die meisten Steigeisen zu lange zweite Zackenpaare hinter den Frontzacken haben, mit denen man nicht im Fels klettern kann.

Für die bergsteigerische Zukunft machen sich die meisten echten Bergsteiger Sorgen, daß die neuen Bergsteigergenerationen nicht mehr die Erfahrung und Einstellung haben wie sie selbst. Aber auch hier gibt es Hoffnung. Sind nicht etliche Sportkletterer wieder ins Gebirge umgeschwenkt, auf der Flucht vor gesperrten Mittelgebirgen und überfüllten, südlichen Kletterparadiesen? Selbst im Himalaya gibt es seit einigen Jahren die neue Mischung aus Eis und neuntem Grad. Und wenn der echte Bergsteiger sowas hört, kann er sich vielleicht doch noch mit den silbernen Bohrhaken anfreunden, und den Spaß im Klettergarten ein klein wenig verstehen?

Hejuahe
Eckehard Plättner


Satzung des "Akademischer Alpenverein München e.V."

Die Satzung des Vereins steht unter folgendem Link zum Download bereit. Die Datei ist passwortgeschützt, um Missbrauch zu vermeiden. Das Passwort kann beim Vorstand erfragt werden.


Bücherkatalog

Die Bücherei des Vereins wurde auf mehrere Mitglieder aufgeteilt. Ein Katalog der verfügbaren Bücher steht unter folgendem Link zum Download bereit. Bitte macht regen Gebrauch von diesem Angebot, es finden sich etliche historische Leckerbissen darunter. Die Datei ist passwortgeschützt um Missbrauch zu vermeiden. Das Passwort kann beim Vorstand erfragt werden.


Zur Geschichte des AAVM

Renovierung Erihütte
AAVM'ler bei der Renovierung der Erihütte an der Scharnitzspitze


Es waren Meilensteine des deutschen Himalayabergsteigens in der Zeit vor dem 2. Weltkrieg. Eine Reihe von Expeditionen zu einem der schwersten Berge ging damit zu Ende.

Auch heute gibt es jedes Jahr mehrere Anfragen zu diesen Unternehmungen. Dabei geht es dann um die Einordnung von Grußpostkarten der Expeditionsteilnehmer, um Ausrüstungsgegenstände, wo welche Kamera verwendet wurde und welche Eidechse wo gesammelt wurde. Alles keine leichten Fragen, besonders wenn keiner der Expeditionsteilnehmer mehr lebt. Aber doch Motivation genug sich mit der Bergsteigergeschichte dieser Zeit näher zu befassen und deren Motivation zu hinterfragen. Die AAVM Bibliothek bietet dafür reichlich Material.

1895 gab es die erste Expedition von A.F. Mummery, G. Hastings, J.N. Collie und C.G. Bruce an der Diamir –Flanke. Sie erreichten eine Höhe von 6100m. Ein unerhört kühner Vorstoß zu dieser Zeit und auch ein Ansatz an der Wand über den die heutige Standardroute (Kinshofer) führt. Mummery wollte anschließend mit zwei Ghurkas die Nordflanke über eine der Diamir-Scharten erreichen. Die Drei blieben verschollen und sind wahrscheinlich in einer Lawine umgekommen.

Erst 1932 kam es zu einer deutsch-amerikanischen Expedition unter Leitung von Willy Merkl, diesmal zur vermeintlich leichteren Rakhiot-Flanke auf der Nordseite. Über diese Flanke erfolgten auch alle weiteren Besteigungsversuche der nächsten Jahre. Teilnehmer waren Fritz Bechtold, die sächsischen Kletterer Fritz Wiessner und Felix Simon, Walter Raechl, Herbert Kunigk, Peter Aschenbrenner, Dr. Hugo Hamberger, Rand Herron und Miß Elizabeth Knowlton. Am 30. Juli wurde westl. des zuvor erstiegenen Rakhiot-Peak Lager 7 auf 6950 m Höhe errichtet. Die einsetzenden Monsun-Schneefälle bedeuteten aber das Ende des Besteigungsversuches.

Bereits 1934 kam es zur nächsten Expedition maßgeblich gefördert von der Reichsbahn und dem Deutsch Österreichischen Alpenverein, wieder unter Leitung von Willy Merkl. Teilnehmer waren Fritz Bechtold, Peter Aschenbrenner, Willy Bernard, Alfred Drexel, Peter Müllritter, Erwin Schneider, Willo Welzenbach und Uli Wieland und in der wissenschaftlichen Gruppe Richard Finsterwalder, Peter Isch und Walter Raechl. 8. Juni starb Alfred Drexel an einer Lungenentzündung. Am 4. Juli begann man unterhalb des Rakhiot-Peak mit dem eigentlichen Angriff Richtung Silbersattel.
Erwin Schneider und Peter Aschenbrenner kamen am 6. Juli bis auf 7850 m Höhe, während die Mannschaft ihr Lager am Silbersattel aufschlug. In der folgenden Nacht setzte extremer Sturm ein. Man wartete einen Tag ab, entschloss sich dann aber am 8. Juli zum Rückzug. Schneider und Aschenbrenner übernahmen die Führung und kamen am selben Tag bis Lager 4 unterhalb des Rakhiot Peak, wo sie in Sicherheit waren. Uli Wieland, Willo Welzenbach, Willy Merkl und 11 Sherpas kämpften am Grat um ihr Leben. Dem Inferno entkamen nur 5 der Sherpas; alle anderen starben, Willy Merkl am 17. Juli. Alle Rettungsversuche von unten scheiterten am tiefen Schnee.

Mit Förderung der Himalayastiftung kommt es 1937 zu einer Expedition unter Leitung von Karl Wien mit Dr. Hans Hartmann, Adi Göttner, Dr. Günther Hepp, Pert Fankhauser, Martin Pfeffer, Peter Müllritter und Ulrich Luft. Am 11. Juni wird Lager 4 in einer Mulde unterhalb des Rakhiot-Peak errichtet. Am 14. Juni begann man mit Transporten in Richtung Lager 5. In der Nacht vom 14. zum 15. Juni wird Lager 4 von einer Lawine verschüttet. Die gesamte Mannschaft im Lager, 7 "Sahibs" und 9 Sherpas kommen ums Leben. Das Unglück wird erst am 18. Juni durch den Arzt Ulrich Luft entdeckt.
Eine Bergungsexpedition (Paul Bauer, Fritz Bechtold und Karl. v. Kraus) bricht von Deutschland aus auf und birgt einen Teil der Toten.

1938 geht es noch mal zur Rakhiot-Flanke diesmal unter Leitung von Paul Bauer mit Fritz Bechtold, Alfred Ebermann, Stefan Zuck, Dr. Bruno Balke, Dr. Uli Luft, Mathias Rebitsch, Hans-Herbert Ruths, Ludwig Schmaderer und Rolf von Chlingensperg. Man erreicht den Mohrenkopf und findet dort die Leichen von Willy Merkl und Gyali (1934). Mehrere Versuche, zum Silbersattel vorzustoßen, scheitern an den schlechten Wetterbedingungen.